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Magazin: story

Copyright Basis-Bild: MediaMarktSaturn
Copyright Basis-Bild: MediaMarktSaturn

Jeder nach seiner Façon

Drei Läden, drei Konzepte: Wir haben uns die MediaMärkte in Emmendingen, Bonn und Berlin-Wedding angeschaut – und deutliche Unterschiede bei der Warenpräsentation gefunden.
An ihm kommt niemand vorbei: MediaMarkt ist Deutschlands Elektrofachhändler Nummer Eins – mit 273 Märkten, rund 15.000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz (Stand: September 2017) von 10,566 Milliarden Euro. Genau genommen handelt es sich bei "MediaMarkt" um eine Vertriebsmarke der MediaMarktSaturn Retail Group, die operative Führung hat die deutsche Landesgesellschaft. Jeder MediaMarkt ist eine eigenständige Gesellschaft mit Minderheitsbeteiligung des jeweiligen lokalen Geschäftsführers. Diese Eigenständigkeit zeigt sich unter anderem in der Warenpräsentation und in den Produkten, die stationär verfügbar sind. Zwar fährt MediaMarkt deutschlandweit einheitliche Werbung, doch jeder Lokalgeschäftsführer entscheidet selbst, wie er oder sie die Kunden erreichen möchte. Das macht MediaMarkt so interessant für vergleichende Store Checks: IGM hat genau das getan und eine Tour durch Deutschland unternommen.

Erste Station ist der MediaMarkt im baden-württembergischen Emmendingen. Die "Große Kreisstadt" mit ihren rund 27.000 Einwohnern liegt etwa 14 Kilometer nördlich des ungleich größeren Freiburg (227.000 Einwohner). Jahrzehntelang hatte Emmendingen einen großen Elektronikhänder: die Firma Flösch im Industriegebiet an der Elzstraße. Das in Bötzingen gegründete Traditionsunternehmen hätte 2021 sein 90-jähriges Bestehen gefeiert, doch dazu kam es nicht mehr: Zum 1. März 2018 wurden die beiden noch existierenden Läden an MediaMarktSaturn verkauft. Der Markt in Müllheim wurde zu einem Saturn, der in Emmendingen zu einem Media Markt: Hier wechselte die Erkennungsfarbe vom Flösch-Blau zum markanten Rot der Fachhandelskette. Den Emmendinger Markt leitet nun Mario Medewaldt, Geschäftsführer des MediaMarkt-Standorts Freiburg. Medewaldt sagte der Badischen Zeitung, bis auf "drei oder vier" Mitarbeiter habe man die komplette, sechzigköpfige Flösch-Belegschaft übernommen. "Wir wachsen auch durch die Übernahme von Mitbewerbern vor Ort", so Pressesprecherin Eva Simmelbauer gegenüber der BZ.

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Wir wachsen
auch durch die Übernahme von Mitbewerbern
vor Ort
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Kontinuität im Angebot
Wie aber präsentiert sich der Emmendinger MediaMarkt? Sind die Abteilungen weitgehend so erhalten geblieben, wie sie die Kunden aus Flösch-Zeiten kannten – oder hat der neue Inhaber das Konzept auf den Kopf gestellt? Vorweg: Im ländlich geprägten Südbaden ist MediaMarktSaturn etwas weniger präsent als in Ballungsräumen wie Berlin, München oder Köln. In Freiburg gibt es neben besagtem Media Markt auch einen Saturn, die nächsten MediaMärkte befinden sich in Lahr/Schwarzwald und Offenburg. Hier gibt es also durchaus noch das Potenzial, ein größeres Publikum zu erreichen, das nicht extra an einen dieser Standorte fahren will. Der MediaMarkt Freiburg hat rund 4000 Quadratmeter Verkaufsfläche, der in Emmendingen etwa die Hälfte. Wir besuchen den Emmendinger Markt an einem Mittwochabend, an dem nicht besonders viel los ist – schließlich fehlt im Industriegebiet die Laufkundschaft. Da wir in früheren Jahren mehrfach bei Flösch gekauft haben, fällt uns auf, dass sich die Ladenaufteilung kaum verändert hat. Die gesamte Verkaufsfläche befindet sich im Erdgeschoss, die Games-Abteilung direkt rechts vom Ein- und Ausgang.

Der erste Blick fällt auf ein halbhohes Regal mit PC-Spielen, dahinter liegt eine Gasse mit diversen PS4-Bundles. Zur Wand hin stehen mehrere "Grabbeltische" mit Skylanders, Infinity und Co., außerdem stoßen wir auf eine Software-Pyramide. Die Ladenwand selbst wird von PS4-Games dominiert, der Xbox-Bereich ist deutlich kleiner. Alles wirkt gut sortiert und aufgeräumt, im Laden sind viele Verkäufer unterwegs, die auch gerne Auskunft erteilen. Wer zur Konsole den passenden Fernseher sucht, wird hier garantiert fündig, denn der MediaMarkt führt – wie schon sein Vorgänger Flösch – eine riesige Auswahl an TV-Geräten: Die TV-Abteilung nimmt gut ein Drittel des gesamten Marktes ein. Mit einem Verkäufer unterhalten wir uns darüber, was sich durch die Übernahme geändert hat. Gut gelaunt verweist er darauf, dass die Flösch-Belegschaft übernommen wurde – ein großer Vorteil, verfügt man damit doch vom Start weg über ein eingespieltes Team. Die Kontinuität zeige sich auch anderweitig, so der Verkäufer: Der MediaMarkt Emmendingen führe auch weiterhin Marken wie Miele oder Panasonic, die es in manch anderem MediaMarkt nicht gebe. Das Emmendinger Team hat jahrzehntelange Erfahrung mit diesen Marken: Eine Beratungskompetenz, die man nicht einfach so aufgibt.

Vakuum in Bonn
Beim MediaMarkt Emmendingen herrscht eine angenehme Aufbruchstimmung. Doch wie dynamisch präsentieren sich die anderen Standorte? Um das herauszufinden, fahren wir nach Bonn. Am Friedensplatz eröffnete im November 2013 ein neuer MediaMarkt mit einer Gesamtfläche von rund 4000 Quadratmetern, Sitz ist das damals neu errichtete Sparkassengebäude. Die nächsten Ableger der Handelskette sind ein MediaMarkt in Bornheim (Neueröffnung 2017), vier MediaMärkte in Köln und Umgebung sowie im Südosten die Media Märkte Neuwied und Koblenz. Saturn-Märkte gibt es in Sankt Augustin, Siegburg, Hennef, Hürth, Weiden, Kerpen und Köln-Innenstadt (3). Die Verteilung zeigt: In der auch touristisch belebten Bonner Innenstadt gab es ein gewisses Vakuum, das der MediaMarkt am Friedensplatz gut füllen konnte.

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Vom Start weg
ein eingespieltes Team
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Wir besuchen den Markt an einem Vormittag Ende März. Die große Multimedia-Abteilung liegt im ersten Stock des zweigeschossigen Marktes: Beim Verlassen der Treppe fällt der Blick sofort auf einen großen Monitor an der Rückwand, auf dem Werbung für PSVR läuft. Direkt daneben prangt der Schriftzug "VR-World": Ein Hinweis auf den Blog, den MediaMarkt zum Thema betreibt. Die PSVR kostet hier 299 Euro und lässt sich theoretisch auch ausprobieren, nur praktisch ist sie an diesem Dienstagvormittag (noch) nicht eingeschaltet. Weiter links steht ein Regal mit diversen VR-Produkten, auf dem wir unter anderem das Bundle aus Shooter Controller und Bravo Team sowie einen VR Stand von Snakebyte (28,99 Euro) finden. Gegenüber steht ein langgezogenes Merchandise-Regal, auf dem fein säuberlich allerlei Caps, Plüschtiere, T-Shirts, Tassen, Action-Figuren und Monopoly-Spiele platziert sind. Ins Auge fallen auch diverse Leuchtmittel, zum Beispiel Luminart-Produkte (Batman, Mickey Mouse) und das Marvel Avengers Hulk Light. Auf einem Tisch liegen mehrere Exemplare des Super NES Mini (99,99 Euro), mit der MediaMarkt den Trend zu Retro-Konsolen bedient. Zudem hat der Bonner Markt eine gute Auswahl an Konsolen-Bundles, zum Beispiel die Switch inkl. Spielesammlung (319 Euro), die PS4 inkl. GT Sport und Hidden Agenda (379 Euro) sowie die Xbox One X inkl. Sea of Thieves (499 Euro). Durchaus geschickt adressiert der Markt Let's Player und Core Gamer: Ein Schild wirbt für Twitch-Abos, daneben stehen Zubehör wie "Stream-Mic" und Video-Game-Recorder. Ganz in der Nähe hängt ein Plakat mit der Aufschrift: "Ping zu hoch? Lass dich kostenlos von uns beraten. Sicher dir die beste Internetleitung zum Zocken." Auch ans Geschäft mit DSL-Anschlüssen dockt MediaMarkt also in seiner Games-Abteilung an.

Veteran im Wedding
Die beiden noch recht "frischen" Märkte in Emmendingen und Bonn machen auf uns einen guten Eindruck. Zum Vergleich schauen wir uns einen der älteren MediaMärkte Deutschlands an, nämlich den in Berlin-Wedding. Der Markt in der Pankstraße 32-39 wurde bereits 1995 eröffnet und hat eine Verkaufsfläche von rund 3100 Quadratmetern. Vom U-Bahnhof Pankstraße (U8) sind es fünf Laufminuten, direkt vor dem Markt gibt es aber auch eine Bushaltestelle und einen Parkplatz. Die Multimedia-Abteilung befindet sich auch hier im ersten Stock. Als erstes fällt uns die PSVR-Anspielstation mit ihrer typischen Sitzkoje auf. Schnell und kompetent richtet eine Verkäuferin auf unseren Wunsch hin die PSVR-Brille für eine Demo ein: Wir zocken ein bisschen VR Worlds und geben die Brille dann an einen Familienvater weiter, der bereits auf seinen "VR-Moment" wartet. Aber gerne doch!

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Eine eigene Produktinsel für
die PS4
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Beim Weiterlaufen fällt uns ein Element auf, dass wir in keinem der beiden anderen Märkte gesehen haben: eine eigene Produktinsel für die PS4. Als Blickfänger hat sie ein Plakat zu God of War, daneben stehen zwei Versionen von GT Sport, das Spiel Monster Hunter: World sowie die PS4 in verschiedenen Bundles, Werbung für Far Cry 5 sowie PS4-Controller-Cases von Snakebyte für 10 Euro. Auf der Rückseite der Produktinsel befindet sich eine PS4-Anspielstationen mit Fifa 18, die (natürlich) von einigen Jugendlichen belagert wird. Komplettiert wird das Sony-Angebot von PS-Plus-Mitgliedskarten. Beim Stöbern im Markt fallen uns noch ein paar andere Besonderheiten auf: Als Blickfang am Hauptgang dient ein Papp-Aufsteller für die Father Edition von Far Cry 5 (119,99 Euro) in Form einer Kirche. Weiter vorne am Gang liegt eine Verkaufsfläche mit ganz unterschiedlicher Hardware – von Tastaturen und Mäusen (Logitech) über das Windows Mixed Reality System von Lenovo bis hin zum Arozzi Gaming Sessel. Neben einem Schild mit der Aufschrift "Willkommen in der Roboterwelt" stoßen wir auf diverse KI-Kumpane der Firma UBTech: vom AstroBot Kit (177 Euro) über das TankBot Kit (144 Euro) bis hin zum Mini Kit (111 Euro). Auch in der Gaming-Abteilung setzt MediaMarkt auf Service: Hier können sich Kunden für 29 Euro eine Konsole einrichten lassen. Werbung: "30 Minuten Zeitersparnis."

Fassen wir zusammen: Alle drei MediaMärkte sind gut aufgestellt, wobei der Berliner MediaMarkt die größte Bandbreite an Gaming-Produkten bietet – dafür aber auch den meisten Platz zur Verfügung hat. Die Kunden der drei Märkte dürften in jedem Fall fündig werden, denn auch bei Merchandise und Zubehör ist einiges geboten. (feh)