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Magazin: interview

"Viele Games-Unternehmen kommen auf uns zu"

Stärker als Tobias Mundinger kann man kaum mit dem Europa-Park Rust bei Freiburg verbunden sein. Der 28-Jährige wuchs im südbadischen Malterdingen auf, einem Nachbardorf des Standorts Rust. Schon als Schüler und Student übernahm Mundinger im Europa-Park verschiedene Jobs – sei es im Verkauf oder in der Achterbahn-Steuerung. Später studierte er Wirtschaftsingenieurwesen, arbeitete bei anderen Firmen und kam dann wieder zurück in den Europa-Park, "weil ich unbedingt in der Branche arbeiten wollte", wie er sagt. Als MackMedia-Mitarbeiter der ersten Stunde kümmert sich Mundinger mit um die Medialisierung des Europa-Park und der Mack Gruppe. Ein Interview über Tradition, media-based attractions und Gaming-IPs im Freizeitpark.
IGM: Herr Mundinger, spielen Sie in Ihrer Freizeit Games?

Tobias Mundinger: Ich habe früher sehr viel gespielt. Mittlerweile komme ich leider seltener dazu. Mein Lieblingsspiel war natürlich RollerCoaster Tycoon. (lacht)

IGM: Das ist in der Tat ein Weilchen her. Schauen wir auf die Gegenwart: Welche Produkte umfasst das digitale Entertainment-Angebot von MackMedia?

Mundinger: Um zu beschreiben, wie MackMedia entstanden ist, muss ich doch etwas weiter ausholen. Der Ursprung der MackMedia liegt im Jahr 2002, als Michael Mack die Kamera in die Hand nahm und anfing, das Parkgeschehen zu dokumentieren und in die Welt zu tragen. 2012 wurde daraus eine eigenständige Unternehmung gegründet. Der Europa-Park ist natürlich weit mehr als der Freizeitpark in Rust. Das Familienunternehmen in achter Generation ist mittlerweile über 235 Jahre alt. Angefangen hat alles in Waldkirch im Schwarzwald mit dem Bau von Transportwagen – und dann auch von Schaustellerwagen, Orgeltransportwagen, Karussells, Holzachterbahnen und aller Art von Fahrgeschäften.

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Der Freizeitpark
in Rust ist die
Inno­vations­schmiede von Mack Rides
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IGM: Und heute?

Mundinger: Das Mutterunternehmen Mack Rides ist heute führend im Bereich Stahlachterbahnen. Disney und und die Legoland Parks zählen bei Fahrgeschäften und Achterbahnen zu den Kunden von Mack Rides. Das ist heute immer noch ein großes Geschäftsfeld für die Unternehmensgruppe Mack. Der Freizeitpark hier in Rust ist so etwas wie die Innovationsschmiede von Mack Rides. Das heißt, wenn neue Prototypen von Achterbahnen entwickelt werden, dann in Rust. Wir beobachten deshalb genau, was in der Industrie passiert – und als MackMedia, welche neuen Möglichkeiten die Medientechnik mit sich bringt. In vielen Parks ist gerade der Trend zu beobachten, dass Fahrgeschäfte und Achterbahnen immer digitaler und medialer werden. Große Stichworte sind media-based attractions und immersive Erlebnisse.

IGM: Was versteht man unter media-based attractions?

Mundinger: Das sind Fahrgeschäfte, die versuchen, mit medialen Inhalten eine größere Immersion zu erzeugen. Eine media-based attraction, die jeder kennt, sind Flugsimulatoren – mit wackelnden Stühlen, einem Screen und 3D-Brillen für die Fahrgäste. Das ist der Ursprung, aber mittlerweile geht es bei media-based attractions so weit, dass auf Fahrgeschäfte Roboterarme montiert sind, mit denen man in verschiedene Dome-Projektionen hineingefahren wird – von Filmszene zu Filmszene. Die absolute benchmark attraction steht derzeit in den Universal Studios in Orlando, sie heißt Harry Potter and the Forbidden Journey. Da denkt man wirklich, man befindet sich im Film.

IGM: Ein Vorbild für den Europa-Park?

Mundinger: Sicherlich eine Richtung, in die wir uns weiterentwickeln wollen, um alle Services für Freizeitparks aus einer Hand anbieten zu können. Die große Idee dahinter ist: Wenn Mack Rides Fahrgeschäfte baut, bei denen Content benötigt wird, dann soll MackMedia diesen Content auch produzieren können. Content für media-based attractions und Fahrgeschäfte bietet uns große Potenziale, bei denen wir von den Kontakten zu den langjährigen Mack-Rides-Kunden profitieren.

IGM: Und die mittlerweile deutschlandweit bekannte VR-Achterbahn "Alpenexpress Coastiality" ist Ihr Flaggschiff?

Mundinger: Die Verbindung zwischen der VRTechnologie und einer echten Achterbahnfahrt ist eines von mehreren großen Produkten in unserem Portfolio. Eine andere neue Attraktion im Europa-Park ist das Voletarium – ein fliegendes Theater und die neueste Form von Flugsimulator. Das Voletarium wurde 2017 im Europa-Park eröffnet, die MackMedia hat dafür den Film "Flying over Europa" produziert. Im Filmbereich ist MackMedia übrigens auch tätig. Wir haben mit "Happy Family" gerade unseren ersten Kinofilm koproduziert.

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Das wird sich
sehr schnell in Game-IPs entwickeln
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IGM: Flugsimulatoren sind ja auch bei Games ein beliebtes Genre. Profitieren Games und Freizeitparks generell voneinander?

Mundinger: Auf jeden Fall. Früher waren die großen IPs Filme. Mittlerweile spielen die Leute aber genausoviel Games, wie sie ins Kino gehen. Game-IPs werden also immer größer. Warum sollten also nur Film-IPs in Freizeitparks Einzug halten? Das wird sich sehr schnell auch in Richtung Game-IPs entwickeln. Es gibt auch immer mehr Möglichkeiten, das durch die vielen media-based attractions wirklich interaktiv und cool zu gestalten. Wir als MackMedia wollen bereit sein, um den entsprechenden Content zu liefern.

IGM: Zum Beispiel?

Mundinger: Wir produzieren sehr viel Content für die VR-Achterbahnen, die wir verkaufen. Dafür haben wir mit Mack Rides extra  eine eigene neue Firma gegründet – sie heißt VR Coaster und stattet die Achterbahnen mit der entsprechenden Technologie aus. Wir als MackMedia stellen den Content bereit. Wenn wir zum Beispiel Achterbahnen an Six Flags in den USA verkaufen, die IPs wie Superman und Batman haben, dann dürfen wir für sie den Content animieren. Auch die Lego-Parks sind Kunde von VR Coaster. Für die durften wir ein Lego Race animieren.

IGM: Der Games-Industrie müsste diese zunehmende Präsenz von game-nahen Marken gefallen...

Mundinger: Ja, viele Games-Unternehmen kommen auf uns zu und fragen, ob wir nicht zusammen eine Themenwelt mit einer Achterbahn bauen wollen – wo Fans und Consumer wirklich in die Markenwelt eintauchen können und das live erleben können. Für die Film- und die Games-Industrie werden Freizeitparks generell immer wichtiger, wenn es um IPs und Markendurchdringung, Absatz und Brand Experiences, aber auch um Merchandise-Verkäufe geht.

IGM: Nun ist der Europa-Park ja nach Ländern gegliedert, nicht nach Marken. Ist es da schwierig, bestimmte IPs zu integrieren?

Mundinger: Im Moment sind wir in der Findungsphase. Im Europa-Park selbst ist es natürlich ein bisschen schwierig, weil die europäische Thematisierung unser Alleinstellungsmerkmal ist – und weil wir uns da abgrenzen von anderen Parks, zum Beispiel Movie-Parks, die wirklich nur die IP-Themen haben. Wir wollen unsere Identität behalten. Aber das Interesse der Games-Branche ist gigantisch – und alle wären gerne im Freizeitpark vertreten. VR bietet da natürlich eine Möglichkeit.

IGM: Inwiefern?

Mundinger: Wir bauen gerade die Eurosat um, unsere Kultkugel. Die herkömmliche Achterbahn erhält das französische Thema "Paris und Moulin Rouge", sie wird "Eurosat – CanCan Coaster" heißen. Weil wir im Europa-Park ein Innovationsfeld sehen, werden wir aber auch wieder etwas ganz Neues machen: Die Achterbahn erhält zwei voneinander unabhängige Bahnhöfe.

IGM: Wie das?

Mundinger: Das heißt, es wird zwei Arten von Zügen geben: herkömmliche Züge und VR-Züge. Wenn man sich anstellt, kann man den "Eurosat - CanCan Coaster" fahren. Aber wir haben noch einen Eingang auf der Rückseite mit einem separaten Gebäude, einem Extrabahnhof für "Eurosat Coastiality" – und da gibt es VR-Züge. Über die Weiche werden die VR-Züge dann in den selben Streckenverlauf eingespeist, den auch der "Eurosat – CanCan Coaster" nutzt. Die Leute bekommen gar nichts davon mit, dass sie auf der selben Strecke fahren.

IGM: Man kann die Strecke also doppelt nutzen...

Mundinger: Genau. Die Weiche, die Mack Rides entwickelt, ist eine Neuheit. Wir hoffen, dass wir im Markt solche Achterbahnen mit zwei Anwendungen verkaufen können: zum einen das Thema "CanCan", zum anderen das Thema "Space". Wir haben gute Kontakte zu dem französischen Star-Regisseur und Produzent Luc Besson, der mit Michael Mack befreundet ist. Mit Besson haben wir schon bei der Themenwelt "ARTHUR – Im Königreich der Minimoys"  zusammengearbeitet. Jetzt setzen wir seinen Film "Valerian – Die Stadt der tausend Planeten" als VR-Erlebnis um. Eröffnet wird die Achterbahn im Sommer – einen genaueren Termin können wir derzeit noch nicht final nennen.

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Wie schafft man es,
die brand experience über den Parkbesuch hinaus zu verlängern?
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IGM: MackMedia entwickelt auch Computerspiele. Wo liegen da die Schwerpunkte?

Mundinger: Unser Kerngeschäft ist zwar media content für Freizeitparks, wir verstehen uns aber auch als Dienstleister für den Europa-Park. Die Grundfrage lautet: Wie schafft man es, die brand experience über den Parkbesuch hinaus zu verlängern? Da liegt es natürlich nahe, die Aufmerksamkeit der Europa-Park-Gäste auf ein Mobile Game zu lenken, mit dem sie sich dann auch zuhause beschäftigen können. Das ist auch eine andere Form von Marketing für unsere Attraktionen. Das beste Beispiel ist hier wieder das Voletarium, wo wir unsere eigene IP, unsere eigene Geschichtswelt entwickelt haben – und Marketing für die Attraktionen nicht auf herkömmlichen Wegen machen, sondern wirklich über Entertainment- und Content-Marketing.

IGM: Wie ist da die Strategie?

Mundinger: Da haben wir eine kleine Serie von Realfilmen gedreht und auch ein Mobile Game namens "Voletarium Sky Explorers" produziert. Wir erzählen die Geschichte über das Spiel und schaffen dadurch Interaktionsmöglichkeiten für die Nutzern. Viele Leute interessieren sich für die Attraktion – und die probieren dann auch das Spiel aus. Wenn man auf den Mobile Devices präsent ist und die Leute sich immer wieder mit einem beschäftigen, dann kommen sie auch eher in den Park. Sie nehmen das Thema eher an, als wenn sie mit herkömmlicher Werbung konfrontiert würden. (feh)