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Magazin: interview

game-Geschäftsführer Felix Falk

"Ein riesiges Projekt"

Schlicht "game", so heißt der neue Verband der deutschen Games-Branche. Geschäftsführer Felix Falk sprach Ende Januar von einem "historischen Tag", einem "zukunftsweisenden Zusammenschluss" von BIU und GAME, der es erlaube, sich künftig "noch schlagkräftiger" für die Interessen der hiesigen Unternehmen einzusetzen. IGM hat nachgefragt.
IGM: BIU und GAME sind nun ein Verband. Jetzt wächst endlich zusammen, was zusammengehört?

Felix Falk: Ja, besser kann man es wohl nicht zusammenfassen. Wir sind eine Games-Branche und deshalb zukünftig auch ein gemeinsamer Verband.

IGM: Wer kam auf wen zu? Von wem ging die Initiative aus?

Falk: Beide Verbände haben sich zuletzt immer weiter angenähert, beispielsweise mit der gemeinsamen Erklärung zur Förderung kurz vor der gamescom. Die Zusammenarbeit lief dabei im vergangenen Jahr so gut und es wurde immer deutlicher, dass wir gemeinsame Ziele verfolgen, dass es irgendwann nicht mehr weit bis zur Frage nach einem Zusammenschluss war.

IGM: Ging es denn autark nicht mehr weiter? Was waren die Beweggründe für den Zusammenschluss? War die Überlegung, dass man nicht nur mit der Kavallerie eine Schlacht gewinnen kann, sondern auch das Fußvolk vonnöten ist?

Falk: Tut mir leid, als Pazifist und Ex-Zivi verstehe ich solche militärischen Vergleiche leider nicht (lacht). Aber der Beweggrund ist schnell erklärt: Gemeinsam können wir mehr erreichen!

IGM: Der BIU deckt über 85 Prozent des deutschen Marktes ab, sind da ein paar Prozente mehr oder weniger wirklich relevant?

Falk: Jeder in der deutschen Games-Branche ist wichtig und wird sich im neuen game wiederfinden. Die Marktkraft einzelner Unternehmen ist dabei nicht das Wichtigste.

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    Gemeinsam können wir mehr erreichen
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IGM: Erwähnte 85 Prozent bestehen primär aus Publishern. Ist denen die Zukunft deutscher Entwickler nicht herzlich egal?

Falk: Was alle Mitglieder verbindet, ist der Wunsch nach einer noch stärkeren Games-Branche in Deutschland. Und allen ist klar, dass wir dafür gemeinsam für bessere Rahmenbedingungen kämpfen müssen. Denn nur gemeinsam haben wir überhaupt eine Chance, zu anderen Ländern wie Großbritannien, Frankreich oder Kanada aufzuschließen. Ohne eine starke Entwicklerlandschaft geht es nicht und ohne die Vielfalt von kleinen wie großen Unternehmen geht es auch nicht. Deshalb stehen unsere Mitglieder und damit wir als Verband geschlossen hinter diesem Ziel.

IGM: Schön ist, wenn man mit einer Stimme spricht, schwerer wird es, wenn jeder seine Stimme erhebt. Was wurde hier vereinbart – Stichwort Stimmrecht?

Falk: Unterschiedliche Meinungen gab es vorher schon und wird und soll es auch weiter geben. In der Vergangenheit sind so manche interne Branchen-Diskussionen aber intensiv in der Öffentlichkeit geführt worden – was nicht weiterhilft, im Gegenteil. Wir wollen die Meinungsbildung künftig im Verband führen, um anschließend mit einer starken Stimme zu sprechen. Damit das gelingt und wir trotz der deutlich größeren Mitgliederzahl weiter handlungsfähig bleiben, gibt es mehrere Mitgliedergruppen mit verschiedenen Rechten und Pflichten. Alle können und sollen sich unabhängig von der Gruppe an der Meinungsbildung in den Arbeitsgruppen beteiligen und sich einbringen. Dabei kann es auch mal schwieriger oder kontroverser werden. Das ist aber gesunde, gelebte Verbandsarbeit. Wenn wir in diesem Rahmen dann Konsens-Punkte gefunden haben, können wir diese umso stärker nach außen vertreten und unsere Forderungen durchsetzen.

IGM: Der VUD zerbrach damals am fehlenden Gleichgewicht seiner Mitglieder. Welches Interesse hat etwa ein Electronic Arts daran, dass jetzt auch Acagamics e.V. und die Hochschule der populären Künste Verbandsmitglieder sind?

Falk: Die Games-Branche heute ist eine andere als bei der Gründung des VUD im Jahre 1993: Die strikte Rollenverteilung von Entwickler und Publisher ist heute, wo jeder seine App und sein Spiel weltweit mit einem Upload anbieten kann, überholt. Die Unternehmen sind sich ähnlicher geworden und damit auch ihre Interessen. Ob kleiner Indie-Entwickler oder Deutschlandniederlassung eines großen Publishers: Sie teilen das Ziel, Deutschland zu einem der besten Standorte für Games auf der Welt machen zu wollen.

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    Sonst würgt
    man den Motor gleich wieder ab, wenn er gerade angesprungen ist
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IGM: Man soll sich ja durchaus Ziele im Leben setzen, aber ist dieses Vorhaben nicht illusorisch?

Falk: Ganz klar: Vergleicht man Deutschland aktuell mit Kanada, den USA oder Japan wirkt unser Ziel auf den ersten Blick übertrieben. Aktuell erwirtschaften wir nur einen sehr kleinen Anteil am riesigen weltweiten Games-Markt, es gibt auch keine gigantischen Studios mit mehreren Tausend Entwicklern hierzulande. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass wir alle Voraussetzungen mitbringen, mit Deutschland nicht nur zu den Top-Standorten aufzuschließen, sondern sie eines Tages auch einzuholen. Welche Schritte wir hierfür gehen müssen, haben BIU und GAME in einer gemeinsamen Erklärung vor der gamescom aufgezeigt. Zusammen werden wir jetzt noch kraftvoller daran arbeiten, dass diese Schritte auch unternommen werden. An einer mutigen Vision sollte man dabei nicht sparen.

IGM: Ist das Wohl und Wehe der deutschen Entwicklerlandschaft tatsächlich von möglichen Fördergeldern – im Raum stehen 50 Millionen Euro per anno – aus der Politik abhängig?

Falk: Bei der Spiele-Entwicklung ist Deutschland ein schlafender Riese. Wir bringen alle Voraussetzungen mit, zu den wichtigsten und größten Entwicklungsstandorten aufzuschließen. Was uns fehlt, ist der richtige Anschub. Die 50 Millionen Euro Förderung sind der Startschuss für die Aufholjagd. Sie sind elementar für einen international konkurrenzfähigen Entwicklungsstandort und helfen, weitere Investitionen ins Land zu holen. Die Erfolgsgeschichten in Kanada, Frankreich und Großbritannien haben das bewiesen.

IGM: Und was, wenn diese Summe auch nicht annähernd ausgeschüttet wird?

Falk: Dann werden wir weiter dafür kämpfen, denn ansonsten wäre es in absehbarer Zeit kaum zu schaffen, den Anschluss an die international erfolgreichen Standorte herzustellen. Die 50 Millionen Euro pro Jahr Förderung sind entscheidend, weil wir nur so eine ähnliche Ausgangslage im Vergleich zu anderen Ländern erreichen können. Übrigens müsste sich diese Summe noch weiterentwickeln, wenn neue Entwickler-Studios entstehen und sich mehr internationale Unternehmen ansiedeln, sonst würgt man den Motor gleich wieder ab, wenn er gerade angesprungen ist. Aber wir werden nicht müde, der Politik zu erklären, dass diese Ausgaben durch Investitionen und Steuereinnahmen wieder zurückkommen. Es ist also sogar ein gutes Geschäft für den Finanzminister.

IGM: Stimmt denn die Gleichung: Mehr Fördergelder = Erfolgreiche deutsche Spiele?

Falk: Ich bin zwar kein Fan von Fußballvergleichen, aber hier ist es nun wirklich wie beim Fußball: Geld schießt keine Tore, am Ende stehen aber doch die Clubs mit den größten Investitionen oben in der Tabelle. Natürlich werden wir nicht ab dem Tag, an dem die Förderung eingeführt wird, lauter weltweite Hits produzieren. Mehr Fördergeld schafft aber die Grundlage, damit bestehende Studios in Deutschland die dringend notwendige Unterstützung bekommen, wenn sie wachsen wollen. Es ist auch ein deutliches Signal an alle, die international neue Studios aufbauen wollen: Kommt her, ihr seid in Deutschland willkommen und bekommt die Unterstützung, die ihr braucht. Bisher haben deutsche Spiele-Entwickler international durch die deutlichen Standort-Nachteile oft das Nachsehen. Das muss sich ändern.

IGM: Wie geht es nun weiter? Was sind die ersten Schritte nach dem Zusammenschluss? Wo liegen die Prioritäten?

Falk: Der Zusammenschluss beider Verbände ist ein riesiges Projekt. Erst einmal müssen wir alle Mitglieder integrieren. Zeitgleich müssen wir aber auch mit Hochdruck unsere politische Arbeit fortführen, vor allem wenn es endlich eine neue Regierung gibt. Gleichzeitig müssen der Deutsche Computerspielpreis und die gamescom vorbereitet werden, die in diesem Jahr 10-jähriges Jubiläum feiert. Aber die deutsche Games-Branche war nie besser aufgestellt als heute. Da machen solche Herausforderungen doch Spaß! (ho)