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Magazin: editorial

Fußball

Weihnachten ist längst aus den Knochen geschüttelt, Silvester verlief unblutig, so langsam tapert die Branche wieder in ihre Großraumbüros, um sich dem vergnüglichen Geschäft der digitalen Freuden zu widmen. Auf geht’s, kämpfen und siegen!

Womit wir auch schon beim Thema wären: Fußball. Meine Frau bekam von mir am heiligsten aller Abende ein wahres Feuerwerk an unterschiedlichsten Präsenten unter den in diesem Jahr nicht vorhandenen Baum gelegt: Ein Gartenfacksel-Set, einen Staubsauger nebst separat eingepackten Beuteln, geruchsloses Massageöl in der 1 Liter Pulle, 2 Badezimmervorleger, 4 Sets für den Esstisch und „Wer weiß denn sowas – Das Spiel“. Doch damit nicht genug: Als besonderes Schmankerl schenkte ich ihr 2 Karten für das Regionalligaspiel VfB Oldenburg vs BSV Rehden. Dazu muss man wissen: Meine Frau hasst Fußball. Somit war Weihnachten für mich eine gute Gelegenheit, sie vom Gegenteil zu überzeugen und in die Welt von Viererkette, Doppelpass und Bratwurstduft zu entführen.

Um es vorwegzunehmen: Das Geschenk kam nicht gut an. Die anderen übrigens auch nicht. Weihnachten zuvor war sie mir noch wegen eines lümmeligen Verwöhnwochenendes im Harz inklusive aberwitzig teurer Gesichtsanwendungen und Candle-Light-Dinner um den Hals gefallen, bei einem Staubsauger der Marke Siemens mit satten 900 Watt indes gab es nur ein müdes „Danke“. Da verstehe einer die Frauen.

Aber zurück zum Fussi:

Sie sind Fan eines Fußballvereins und gehen ab und an ins Stadion? Dann werden Sie die Atmosphäre zu schätzen wissen. Natürlich sind die wenigsten von uns Stehplätzler, schwingen Fahnen oder schreien sich die Kehle aus dem Leib. Viel lieber ist man Sesselfurzer, drückt sich ein bis drei Würste rein, nippt an der Plörre, die da so als Bier feilgeboten wird und meckert ab und an über den Schiri. Macht schon Spaß sowas.

Vielleicht haben Sie auch gleich doppelt Spaß und Ihr Herzensverein spielt ganz in Ihrer Nähe, bestenfalls in Liga 1 oder 2, also in Sphären, wo tatsächlich ab und an hohe Fußballkunst zelebriert wird. Ich wohne in Oldenburg. Wir haben es mit besagtem BSV Rehden, Egestorf/Langreder oder Drochtersen/Assel zu tun. Unser heimischer VfB krebst im Mittelfeld der Tabelle rum, wer einen gepflegten Kick erwartet, der sollte lieber Zuhause bleiben. Unser größtes Problem ist jedoch nicht die mangelnde Spielkultur, sondern die nicht abreißen wollende Verletzungsmisere. Der Grund hierfür wurde nach gefühlten 10 Jahren dann auch von der Vereinsführung ausgemacht: Jeder Spieler tapert zu einem anderen Arzt. Der eine lässt seinen Miniskusanriss beim Heilpraktiker via Handauflegen auskurieren, der andere schwört bei Bänderdehnungen auf Schamanengesänge.

Damit musste Schluss sein. Ab sofort war also ein einziger Arzt für die gesamte Truppe verantwortlich. Und siehe da: Die letzten beiden Spiele wurden allesamt gewonnen. Zwar unverdient, aber immerhin.

Selbiges Szenario wünsche ich mir auch für unsere geliebte Gamesbranche. Eine Anlaufstelle, die insbesondere bei Entlassungen mit Rat und Tat zur Seite steht. Denken Sie nur daran, wer im letzten Jahr alles „restrukturiert“, also Leute auf die Straße gesetzt hat. Zuletzt Travian Games, bei denen man es eher nicht erwartet hätte. Ich prognostiziere: Auch in diesem Jahr wird sich das eine oder andere Unternehmen „verschlanken“. 2019 wird nicht einfach werden, der Mittelstand bricht zunehmend weg. Eine übergreifende Institution, die hier unbürokratisch und schnell vermittelt, wäre mehr als sinnvoll. Vielleicht kann der game-Verband ja einen Teil seiner Mitgliedsbeiträge in ein derartiges Projekt stecken und nicht nur in YouGov-Umfragen, bei denen dann rauskommt, dass wieviel Prozent auch immer den Begriff „E-Sport“ schon mal gehört haben. Ich mein: Fragen Sie die Bevölkerung mal mittels repräsentativer Umfrage, wer schon mal den Begriff „Bratwurst“ gehört hat. Jo. Gewiss 99 Prozent. Erfreut sich die Bratwurst dadurch zunehmender Beliebtheit?

Um es im Fußballjargon zu sagen: Wir sollten den Ball nicht vertendeln, sondern eine klare Spielphilosophie verfolgen. 

Das gilt übrigens auch für mich und meine Geschenke-Wahl. Nächstes Weihnachten gibt’s wieder ein Verwöhnwochenende. Versprochen. [Marius Hopp]